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Veranstaltungen

Jubiläum wird zwei Tage lang gefeiert

Der TSV Höfingen ist in diesem Jahr 120 Jahre alt geworden. Er hat große Namen wie Ursula Kreutel und Thomas Schneider hervorgebracht. Am 10. und 11. September gibt es eine große Party.

Ursula Kreutel – in aktiven Zeit eine Weltklasse-Diskuswerferin Archivfoto: /H.J. Müller

7.09.2022

Es waren die Turner, die im Jahr 1902 den Anstoß zur Gründung des TSV Höfingen gegeben haben. Weil sie während ihrer Militärzeit nicht durch körperliche Ungeschicklichkeit auffallen wollten, trafen sich 14 junge Männer im Nebenzimmer des Gasthauses „Zum Ritter“ zur Gründungsversammlung, Karl Breimaier wurde zum Ersten Vorsitzenden gewählt.

Mit Feuereifer bei der Sache

Die Vereinschronik berichtet von den großen Widrigkeiten, denen die jungen Männer getrotzt haben: So gab es weder einen Platz, geschweige denn einen Raum, keine Turngeräte und kein Geld. Dennoch legten die Vereinsgründer einen Feuereifer an den Tag: Als „Vereinsplatz“ wurde ein ziemlich holpriges Fleckchen Boden in der alten Lehmgrube in der Hirschlander Straße erwählt. Sein großer Nachteil war, dass er nach einem Regen voller Pfützen und damit für Turnübungen völlig ungeeignet war. Ein wohlmeinender Gönner streckte dem Verein 600 Mark vor, von dem Reck, Barren, Pferd und Hanteln gekauft wurden. Eines der Vereinsmitglieder, der Zimmermann war, baute einen einfachen Schuppen, in dem die Geräte untergestellt wurden. Dann wurde zweimal pro Woche geturnt, bei schlechtem Wetter im Rittersaal.

Nach dem ersten Weltkrieg fand vor allem die Leichtathletik großen Zulauf, 1922 organisierte der TSV ein landesoffenes Sportfest. Die damals herrschende Inflation zeigte sich in den Preisen: Der Eintritt kostete 20 Mark, ein Krug Bier 15 Mark. Aber die Leichtathleten sorgten für überregionale Schlagzeilen: Höfingen stellte nicht nur mehrere Gaumeister, sondern auch württembergische und Verbandsmeister.

Der größte Name in der Höfinger Leichtathletik ist bis heute Ursula Kreutel, die 1990 Deutsche Meisterin im Diskuswerfen wurde und an den Europameisterschaften in Split teilnahm. Bekannt in der Region wurde sie darüber hinaus als Bürgermeisterin von Weissach in den Jahren von 2006 bis 2014.

Der Vollblut-Fußballer Walter Stähle

Der Fußball trat im Jahr 1921 seinen Siegeszug beim TSV Höfingen an. Ihren größten Aufschwung erlebten die TSVKicker Anfang der 1960er-Jahre unter dem Vollblut-Fußballer Walter Stähle, der von 1955 bis 1965 auch Erster Vereinsvorstand war.

Zum 60-Jahr-Jubiläum des Vereins schaffte der TSV Höfingen 1962 den Aufstieg aus der A-Klasse in die zweite Amateurliga, in der sich die Mannschaft zehn Jahre lang hielt. 1968 unterlag das Team vor 6000 Zuschauern dem SV Kornwestheim im Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die erste Amateurliga, der damals höchsten Amateurklasse, mit 0:2.

1961 bekam der TSV Höfingen eine Tischtennis-Abteilung, 1969 konnte eine neue Sporthalle nebst Rasenplatz eingeweiht werden, wofür der Verein eine halbe Million Mark investiert hatte. Die Blütezeit des TSV Höfingen waren jedoch die Jahre zwischen 1970 und 1980, als insgesamt sieben neue Abteilungen das Licht der Welt erblickten – vom Kleinkindturnen über den Lauftreff bis zu Jazz-Gymnastik und Volleyball.

Von Höfingen aus zum VfB Stuttgart

Berühmtester Name in der 120-jährigen TSV-Geschichte ist Thomas Schneider: Der Junge aus der Höfinger Fußballschule schaffte den Sprung zum VfB Stuttgart und erlebte dort goldene Zeiten mit: 1992 war er Mitglied der Meistermannschaft, 1997 gewann er den DFB-Pokal. Und noch ein zweiter Höfinger Kicker machte überregional Schlagzeilen: Otto Garhofer war ein gefürchteter Mittelstürmer der goldenen Höfinger Generation in den 1960er-Jahren und bekam folgerichtig ein Angebot der Stuttgarter Kickers, für die er in der Regionalliga Süd auf Torejagd ging.

In der jüngsten Vergangenheit sorgte der TSV Höfingen noch zweimal für Schlagzeilen: Zum einen durch einen Tischtennis-Jugendtrainer, der 2017 wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vom Landgericht Stuttgart zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Immerhin war dies der Auslöser für die Entwicklung von Schutzkonzepten, mit denen Vereine solche Vorkommnisse unterbinden wollen. Zu welchen großen gemeinschaftlichen Leistungen der TSV fähig ist, bewies die Typisierungsaktion für den an Leukämie erkrankten Herbert „Hebbe“ Lutz im Jahr 2018, bei der sich mehr als 600 Spender registrieren ließen.

Die TSV-Fußballer sind leider in der vergangenen Saison als Tabellenletzter sang- und klanglos aus der Bezirksliga abgestiegen. Wie die Chancen auf den direkten Wiederaufstieg stehen, davon können sich die Zuschauer beim Vereinsjubiläum auch selbst ein Bild machen: Die erste und die zweite Mannschaft bestreiten im Rahmen des Festwochenendes ihr erstes Heimspiel der neuen Saison. Henning Maak

Info – Das Fest-Wochenende des TSV Höfingen

Samstag, 10. September

Ab 11 Uhr Bewirtung. 16 Uhr Spiel des TSV Höfingen – VfB Tamm. 20 Uhr Party mit DJ Luigi (Eintritt 5 Euro, Kartenvorverkauf in Strobel’s Wirtshaus seit 23. August).

Sonntag, 11. September

Ab 11 Uhr Frühschoppen mit dem Musikverein Höfingen, Punktspiel der E-Jugend. Ab 13 Uhr Kinderprogramm mit Schminken, Hüpfburg und Eiswagen, 16 Uhr Spiel des TSV Höfingen II – VfB Tamm II.

Bewirtung

Würstle, Pommes, Wilde Kartoffeln, Garnelenspieße, am Sonntag zudem Schweinebraten mit Kartoffelsalat. hem

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Eine Auswahl an Momenten aus der langen Geschichte des TSV Höfingen

Thomas Schneider spielte lange Jahre beim VfB Stuttgart und war dort auch Trainer. Foto: dpa/Daniel Bockwoldt
Thomas Schneider spielte lange Jahre beim VfB Stuttgart und war dort auch Trainer. Foto: dpa/Daniel Bockwoldt
Die Fußballer des TSV (Spielszene gegen Merklingen) sind in der Vorsaison aus der Bezirksliga abgestiegen. Archivfoto: Andreas Gorr
Die Fußballer des TSV (Spielszene gegen Merklingen) sind in der Vorsaison aus der Bezirksliga abgestiegen. Archivfoto: Andreas Gorr
Die Leichtathleten haben in den 1950er und 1960er Jahren erfolgreiche Zeiten erlebt. Foto: frei/
Die Leichtathleten haben in den 1950er und 1960er Jahren erfolgreiche Zeiten erlebt. Foto: frei/