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Finanzen

Der Standort steht außer Frage

Die Leonberger Kreissparkassen-Zentrale ist jetzt für drei Jahre am Marktplatz

Die Kreissparkassen-Direktion ist vorübergehend an den Marktplatz umgezogen. Foto: Simon Granville

21.06.2021

Der Eingang zur Leonberger Kreissparkassen-Direktion am Rande der Altstadt ist mit rot-weißen Bändern verklebt. Nach fast 60 Jahren ist an der Sonnenkreuzung das Geschäft mit dem Geld vorerst unterbrochen. Das Gebäude am Traditionsstandort wird abgerissen und durch ein neues ersetzt. Daneben kommt ein Komplex mit 70 Wohnungen.

Weit haben es die Kunden in den kommenden drei Jahren, so lange werden Abriss und Umbau dauern, nicht. Am Marktplatz 10, dort wo einst die BW-Bank eine Filiale betrieb, hat die Kreissparkasse ein Übergangsdomizil. „Wir haben auch die Wohnung im Dachgeschoss angemietet“, berichtet das Sparkassen-Vorstandsmitglied Michael Fritz. Auch dort wurden für die Mitarbeiter Arbeitsplätze eingerichtet. Der Kundenbereich ist im Erdgeschoss.

Für die komplette Direktionsverwaltung ist das Fachwerkhaus allerdings zu klein. Deshalb hat das kommunale Kreditinstitut in der Graf-Ulrich-Straße 1, direkt über Blumen-Albert, zwei weitere Etagen angemietet. „Damit haben wir 700 Quadratmeter am Marktplatz 10 und einige Meter weiter noch einmal 250 Quadratmeter“, rechnet Fritz vor. „In der Summe reicht das.“ Dazu gehören alle Bereiche, die bisher in der Grabenstraße untergebracht waren, auch das Immobilien-Center und die Beratungsstellen für Privat- und Geschäftskunden. Insgesamt sind dort 50 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Kreissparkassen-Direktion in der Altstadt nicht nur für die Kundschaft aus dem Leonberger Norden interessant ist. „Wir haben über Jahrzehnte gewachsene Geschäftsbeziehungen nach Ditzingen, Gerlingen oder Korntal“, sagt Killian. „Für diese Kunden ist unsere Altstadt-Präsenz die beste Anlaufstelle.“

Standortdiskussionen wie bei anderen Banken, so versichert Michael Fritz, gebe es bei der KSK nicht: „Filialen sind für uns keine Last, sondern eine unverzichtbare Säule unserer Vertriebsstrategie.“ slo


Das Kundenverhalten hat sich verändert

Die Deutsche Bank zieht sich aus Leonberg zurück

Der Leonberger Marktplatz verliert noch in diesem Jahr einen weiteren Anziehungspunkt. Die dortige Filiale der Deutschen Bank wird im vierten Quartal des Jahres ihre Türen schließen. Auch die Zweigstelle des Kreditinstituts in Sindelfingen macht dann dicht. Die beiden Filialen sind Teil einer großen Schließungsaktion, die offiziell unter dem Titel „Weiterentwicklung Privatkundengeschäft“ firmiert. Bundesweit löst die Großbank insgesamt 100 von ihren 500 Filialen auf.

Mit der Deutschen Bank verschwindet die letzte der drei Bankfilialen, die einst am Leonberger Marktplatz präsent waren. Zuvor hatten schon die Volksbank und die BW-Bank ihre Schalterräume in der Altstadt aufgegeben und betreiben dort nun SB-Stellen. Allerdings sind beide Kreditinstitute weiterhin in der Innenstadt präsent: die Volksbank in ihrer Zentrale in der Römerstraße, die BW-Bank im Leo-Center. Die Kreissparkasse plant einen Neubau ihrer Leonberger Direktion in der Grabenstraße und hat in der Bauphase eine Interimsfiliale am Marktplatz.

„Das Kundenverhalten hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert“, erklärt ein Sprecher der Frankfurter Konzernzentrale auf Anfrage unserer Zeitung. „So wählen die Kunden immer seltener den Weg in die Filiale und nutzen stattdessen zunehmend die digitalen Möglichkeiten. Bereits heute erledigen sie einen Großteil des Zahlungsverkehrs online.“

Die Corona-Krise sei nicht ausschlaggebend für die geplanten Schließungen, habe aber bei der Kundschaft den Trend verstärkt, nicht mehr physisch in die Filiale kommen. Entscheidend bei den Standortfragen sei die Überlegung gewesen, dass „die Kunden guten Zugang zum vollständigen Beratungs-, Produkt- und Dienstleistungsangebot haben.“ Darüber hinaus hätten die „Gegebenheiten des örtlichen Marktes sowie die Wirtschaftlichkeit des Standorts“ eine Rolle gespielt.

Für die Kunden aus den Räumen Leonberg und Sindelfingen ist nun die Filiale in Böblingen eine Anlaufstelle. Zudem gibt es in Gerlingen eine Finanzagentur der Deutschen Bank, in der selbstständige Berater die ganze Produktpalette des Kreditinstitutes anbieten und Beratungsgespräche führen. Ob solche Agenturen in Leonberg und Sindelfingen angesiedelt werden können, werde geprüft. Auch sei offen, ob Selbstbedienungsterminals mit Bankomaten und Überweisungsterminals eingerichtet werden.

Da in Leonberg sowohl die Postbank als auch die Commerzbank präsent sind, hätten die Kunden beim Abheben keinen finanziellen Nachteil, da die Besitzer von Konten bei der Deutschen Bank auch dort gebührenfrei Geld abheben könnten, betonte der Unternehmenssprecher. Zudem gebe es in etlichen Lebensmittelmärkten und Tankstellen die Möglichkeit, beim Bezahlen ohne Aufpreis Bargeld zu erhalten.

Laut Unternehmenssprecher sei der den Filialschließungen einhergehende Abbau von bundesweit rund 400 Stellen „unabwendbar und nötig“. Gleichwohl bemühe man sich um sozial verträgliche Lösungen, die von natürlicher Fluktuation, Alterszeit über Vorruhestand bis zu Abfindungsmodellenreichen würden. slo