Im Laufe der 100-jährigen Geschichte des Münchinger Musikvereins hat es Auftritte gegeben, die unvergesslich geblieben sind. Im Jahr 1976 war bei einem Auftritt in Stuttgart anlässlich des „Schwäbischen Sonntags“ der damalige CDU-Kanzlerkandidat Helmut Kohl, der zu dieser Zeit auf Wahlkampftour war, anwesend. Durch Zufall übernahm er kurz die Rolle des Gastdirigenten. Ein weiterer aufregender Moment, den Frank Di Marco, der die Öffentlichkeitsarbeit für den Verein macht, sogar miterleben durfte, war 1981. Das war der Auftritt des Blasorchesters in der Württembergischen Staatsoper bei der Uraufführung des Balletts „Schade, dass sie eine Hure ist“. Die Aufführung sei für manche Zuschauer provokativ gewesen, erzählt Di Marco, aber zugleich habe es wahnsinnig Spaß gemacht, ein Teil des Geschehens auf der Bühne zu sein.
           

Das Zitat einer Zuschauerin: „Ich gehe doch nicht in die Oper, um eine ordinäre Bauernkapelle zu hören.“ Wenn Di Marco diese Geschichten erzählt, muss er schmunzeln. Seit über 40 Jahren ist er in dem Verein aktiv. Mit acht Jahren fing er mit dem Musizieren an. Erst lernte er Waldhorn zu spielen, später dann Eufonium. Schon seine Eltern und Großeltern, sein Bruder sowie sein Onkel und seine Tante wirkten im Verein mit. „Ich habe meine Frau im Verein kennengelernt“, berichtet er. Heute sind auch seine zwei Töchter im Verein. Der zählt 350 Mitglieder. Davon sind 25 Jugendliche.
                   

Die ganz Kleinen waren schon in den frühen Jahren ein Bestandteil des Vereins.
Die ganz Kleinen waren schon in den frühen Jahren ein Bestandteil des Vereins.

Ihre musikalische Ausbildung erhalten sie in der Münchinger Musikschule. Erst kommen sie in der Jugendgruppe, dann in die Jugendkapelle und zuletzt ins Blasorchester. Durch das Coronavirus kommen manche allerdings nicht mehr regelmäßig zu den Proben. Das bedauert Di Marco, doch zugleich ist er stolz auf die Jugendarbeit, die der Verein leistet. Außer der Musik stehe die Gemeinschaft im Fokus. Die werde durch die Jugendfreizeit und die Probelokalübernachtung gestärkt. Am 25. Juni begann der Verein, zu dem seit 2001 der Handharmonika Club gehört, wieder mit seinen Proben. Nach einer Sommerpause ging es vorletzte Woche wieder los. Doch nun wird aufgrund von Corona nicht mehr im Probelokal geprobt. Stattdessen treffen sich die Musiker in der Albert-Buddenberg-Halle, was sich als eine Herausforderung herausgestellt hat, da dort nebenbei auch zahlreiche Mitglieder der Sportvereine trainieren. Wie es wohl weitergehen wird? „Der gemeinsame Wille ist da, wir versuchen, eine Lösung zu finden“, so Di Marco. Im April war anlässlich des 100-jährigen Bestehens ein großer Festakt geplant, der wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnte. Lange war unklar, ob der Musikverein Münchingen überhaupt ein Fest stemmen wird.

Am 26. September um 17 Uhr ist es nun so weit. Allerdings handelt es sich diesmal um „eine Feier in abgespeckter Form“. 80 Personen kommen, darunter lokale Politiker, der Kreisverbandvorsitze und Vorstände befreundeter Vereine. Außer dem Fest ist bis zum 27. September eine Ausstellung im Heimatmuseum zu sehen. Ausgestellt sind Vereinsbilder, handgemachte Instrumente und Audio-Aufnahmen mit Anekdoten. ifi